Vom Scheitern und Aufstehen…..

Am Sonntag ist es also wieder soweit, die Challenge Roth steht an. Zum vierten Mal starten wir als Staffel….. Einer der größten und traditionsreichsten Triathlons die es auf der Welt gibt. 😃 inklusive dem Highlight schlechthin – dem Solarer Berg! 
Wenn ich euch nen Rat vorweg geben darf: Schaut euch das an, und könnt ihr nicht selbst da durch, schaut euch das als Fan an der Strecke an. Die Begeisterung an der Strecke und an der Stelle ist nicht in Worte zu fassen….

Einige von euch kennen mich ja und kennen das „Drama“ vom letzten Jahr, einige aber auch noch nicht und da der Zeitpunkt natürlich besser nicht sein könnte und so viele von uns schonmal gescheitert sind und auch scheitern werden, nutze ich die Gelegenheit einfach mal die letzte Challenge zu reflektieren.
Nach den relativ gechillten Teilnahmen 2013 (als Radler) und 2014 (als Schwimmer) – Zeiten spielen bei mir ja ohnehin keine Rolle – bin ich letztes Jahr auch wieder ganz unbekümmert und eigentlich auch passabel vorbereitet als Radler an den Start gegangen.

Alles lief auch echt gut. Lieblingscaro kam flott aus dem Wasser und los ging’s über die Brücke auf die erste Runde.
Dann sollte aber vieles anders kommen als erwartet. 

Ich kann’s immer noch gar nicht so richtig beschreiben, geschweige denn sagen, woran es letztendlich lag, aber schon auf der ersten Runde hatte ich aus unerklärlichen Gründen Probleme mit der Atmung. 
Es ging irgendwie nicht so viel Luft in die Lungen, wie ich das gern geh at hätte. Am Solarer Berg war daher das erste Mal Schnappatmung angesagt.
Da waren erst 70km von den 180 abgespult. 
Das ist wie beim Marathon auch. Kaum bemerkt man ein Zipperlein, konzentriert man sich total drauf. Im Laufe der nächsten Kilometer Lauf der nächsten Kilometer hab ich mich also damit beschäftigt herauszufinden, woran es liegen könnte. 
Tempo rausgenommen, Oberkörper gekühlt, mehr getrunken, Oberkörper gewärmt, bewusst weniger geatmet (weil ich dachte ich hyperventierliere) usw usw und natürlich beschäftigt man sich mit dem Gedanken auszusteigen…

Ich konnte nur noch immer flacher atmen bis ich fast gar keine Luft mehr in die Lungen bekommen habe. Anfangs hat nur die Hand gebitzelt, am Ende der ganze Körper, nichtmal richtig sprechen konnte ich mehr, weil die Zunge das Taub war. 

Das Ende vom Lied war, dass ich nachdem ich in Obermässing nicht mal mehr bewusst Rad gefahren bin sondern einfach instinktiv gestrampelt hab, vom Rad gestiegen bin. 

Viele haben mich aufgrund dessen gelobt, wie vernünftig die Entscheidung gewesen sei, aber ich sags ganz ehrlich. Da gab es nichts mehr zu entscheiden. Einen paar Meter mehr und ich wär vom Rad gefallen.

Das war mit Abstand das erschreckendste und irgendwie auch gruseligste, was ich in den Jahren Ausdauersport bisher erlebt habe und hoffentlich auch jemals erlebt haben werde. 

Aber seit dem weiß ich zwei Sachen: 
1. Genieße jede Veranstaltung so gut du kannst. Du weißt nie was passiert. Und hab enormen Respekt vor deinem Körper und vor dem was du mit ihm so machst.

2. Do Not Finish is no Option ist der allergrößte Bullshit, den ich jemals gehört hab. Aufgeben ist immer eine Option wenn es um die Gesundheit geht. 

Natürlich plant man das nicht, aber jeder der schonmal den Punkt erreicht hat, wo zwar der Geist sagt: „Klar weiter geht’s“, aber der Körper sagt „Lass mal stecken“ weiß, dass aufgeben sehr wohl eine gute Entscheidung sein kann.

Roth ist für alle etwas besonderes, weil die ganze Region Kopf steht. Und das muss ich an der Stelle nochmal sagen.

Als ich da am Feuerwehrhaus vom Rad gestiegen bin und Richtung Gartenzaun getaumelt bin waren sofort, also ich meine wirklich sofort 5 bis 10 Leute da, die sich um mich gekümmert haben und mich gefragt haben, ob alles ok ist.
Und ich meine jetzt nicht offizielle Helfer oder so. Leute die da am feiern waren…. 
Die haben mir sofort das Rad abgenommen, mich in den Schatten gesetzt, mir was kühles zu trinken besorgt und letztendlich auch den „Rücktransport“ angeschoben ohne das ich zunächst überhaupt was sagen konnte. Das war wirklich beeindruckend und wirklich wirklich rührend!
Klar war die Enttäuschung riesengroß und ist sie ein wenig auch noch, aber als ich die ganzen anderen Radler die an der Stelle ausgestiegen sind gesehen habe, musste ich ein wenig schmunzeln. Wie ein Rudel geprügelter Hunde saßen wir da im Gras und haben auf die Feuerwehr gewartet 😂
Davon gibt es aber zum Glück dann doch kein Bild. Dafür eines wie ich an der Wechselzone ankomme. 
Ihr müsst euch vorstellen, da erlebst du grad den enttäuschendsten Augenblick deines Ausdauersportdaseins, das Feuerwehrauto in dem du sitzt hält direkt vor deinen besorgten Freunden (die ja mitbekommen haben, dass was nicht stimmen konnte) und dein bester Freund hält mit der Kamera voll drauf 😂😂😂 das werd ich im Leben nie mehr vergessen!
Ich sags nur sicherheitshalber nochmal dazu: ich lasse mich natürlich regelmäßig ärztlich durchchecken und hab das so echt nicht kommen sehen. Sonst wäre ich natürlich nicht gestartet. Auch danach habe ich mich natürlich durchchecken lassen. Aber so richtig gefunden haben wir nichts. 
Unsere Erklärung war dann eine Mischung aus: Übermut auf der Strecke, extremer Wärme und lasst es mich mal eine Verkettung ungünstiger Umstände wir Pollenbelastung und ähnliches nennen.
Seit dem hatte ich das nie mehr, nicht mal nur im Ansatz. Auch die Mitteldistanz ein paar Wochen später war kein Problem….
In diesem Sinne: aufstehen, Helm richten und weiter radeln! Ich freu mich riesig auf den Solarer Berg, den ich Sonntag so Gott will auch wieder 2 x erleben darf 😂🙈🙊


2 Comments

  • Anders, Thoralf

    13. Juli 2016

    Ich sage mir in solchen Situationen immer: „Wer weiß, wofür das gut war …“. Vielleicht wäre was viel Schlimmeres passiert, wenn Du weiter gefahren wärst und Dein Körper hat Dich davor bewahrt. Solange Du letztendlich gesund aus der Sache heraus gekommen bist, ist doch alles gut. Und das DNF … Just Sport! Just Fun! Und: irgendwie muß man auch ein DNF mal mitgemacht haben, kann man doch sonst gar nicht mitreden! 😉

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